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Aktuelles Thema - 06/2001

Chefetagen-Geschäfte

So handelt die Unternehmensführung

Seit dem 1. März müssen die am Neuen Markt gelisteten Unternehmen Wertpapiergeschäfte ihrer Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder in eigenen Aktien der Deutschen Börse melden.

Sinn der Sache:
Durch die Meldepflicht für Wertpapiergeschäfte soll sich die Transparenz am Neuen Markt verbessern.

Unternehmen, die gegen diese Regeln verstoßen, können von der Deutschen Börse mit einer Vertragsstrafe belegt werden. Das kann eine Geldstrafe bis zu 100 000 Euro sein, unter Umständen sogar der Ausschluss aus dem Neuen Markt.

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Die Veröffentlichung erfolgt über eine spezielle Webseite des Neuen Markts:
http://display.neuermarkt.com/internet/nmcom/nmcom_dd.nsf/main/main-wertpapiergeschaefte

Meldepflichtige Wertpapiergeschäfte

-- Nachtrag vom 5. August 2001 --
Die meldepflichtigen Geschäfte lassen sich auch in einer Datenbank recherchieren:
http://tools.neuermarkt.com/insiders/index.php3

-- Nachtrag vom 24. Februar 2002 --
Infopool für meldepflichtige Wertpapiergeschäfte des Neuen Marktes:
www.insiderdaten.de

Kritikpunkte von Anlegerschützern

Theoretisch ist vorstellbar, dass ein Vorstand Käufe von beispielsweise täglich einigen 1000 Stück meldet - und somit ein positives Signal an den Markt sendet, seine Familie zeitgleich täglich ein Vielfaches an Aktien verkauft. Ein derartiges Vorgehen wäre nicht verboten, nicht sanktionierbar und auch nicht nachweisbar.

Die maximale Strafe liegt bei 100 000 Euro und kann nur gegen die Firma verhängt werden. Würde die Firma sogar vom Markt ausgeschlossen, trifft es auch die eh schon geschädigten Aktionäre.

Es ist ebenfalls nur schwer verständlich, warum die Börse nicht auch die exakte Zeit der Transaktion der Unternehmensführung veröffentlicht. Der Investor sollte wissen dürfen, ob die Transaktion einer Ad-hoc-Mitteilung vor- oder nachgelagert war.

Einträge ohne weitere Erläuterung, wie zum Beispiel ein lapidares "Sonstiges bestandsmindernd oder -erhöhend" erschweren nicht nur dem Privatanleger die Unterscheidung. Bei der Bestandserhöhung an einer "Option", stehen die Chancen aus Sicht des Anlegers 50 : 50. Ob sich der Vorstandsvorsitzende über Derivate das Recht gekauft hat, sich von Aktien zu trennen (Put-Option) oder Aktien zu beziehen (Call) ist nicht zu ersehen. Bei fehlender Konkretisierung des Derivats ist die Angabe nutzlos.

Fazit: Die Börse macht es sich zu leicht

Die Deutsche Börse hat es sich zu einfach gemacht, indem sie die Unternehmen die Daten selbst auf die Seite einpflegen lässt ! Die aufgeführten Schwachstellen bieten zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten. Eine zuverlässige Anlegerinformation ist nicht gewährleistet. Die Kontrolle der Angaben samt der zeitnahen Bekanntgabe, ist das Mindeste was die Anleger von der Börse verlangen dürfen. Zudem muss der Kreis der meldepflichtigen Personen auf Großaktionäre ausgeweitet werden. Eine prozentuale Regelung wäre vorstellbar.

Tipp: Diese Seite enthält eine Hitliste der "sehr aktiven" Firmen:
http://zellerf.bei.t-online.de/meldepflichtige_wertpapiergeschaefte/

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