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Anleihen - Grundlagen

Anleihen (engl. Bonds) sind börsengehandelte Kredite, die auf eine Vielzahl von Gläubigern verteilt werden. Von sicheren festverzinsten Rentenpapieren bis hin zu hochspekulativen "Junk Bonds" bieten sie dem Anleger vielfältige Möglichkeiten.

Anleihen können zum Nennwert (pari), mit einem Aufschlag (Agio) oder unter dem Nennwert (Disagio) ausgegeben werden. Zur Verbriefung der Forderungen werden Anleihen mit festem oder variablen Zins und fester Laufzeit herausgegeben. Der Gesamtbetrag einer Anleihe wird dabei in Teilbeträge gestückelt (sog. Teilschuldverschreibungen). Anleihen werden wie Aktien durch eine eindeutige WKN (Wertpapiernummer) erfasst.

Tipp: Falls Sie einen Begriff vermissen, hilft ein Börsen-Lexikon im Internet weiter.


Arten von Anleihen

Je nach Emittent (Herausgeber der Anleihe) unterscheidet man:
  • Bankschuldverschreibungen
    (z.B. Pfandbriefe und Kommunalobligationen)
    Emittenten sind Hypothekenbanken und öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. Sehr sichere Anlageform. Hält man die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit hat man nahezu kein Risiko. Dementsprechend niedrig sind die Zinsen.
  • Öffentliche Anleihen durch Bund, Länder oder Städte
    (z.B. Bundesanleihen, Staatsschuldverschreibungen)
    Ebenfalls sehr sichere Anlageform mit sehr geringem Risiko und wie bei Bankschuldverschreibungen entsprechend niedrigen Zinsen (meist um die 4 %).
  • Industrie- bzw. Unternehmensanleihen
    sog. Industrieobligationen (Corporate Bonds)
    Unternehmensanleihen sind für Firmen eine günstige Form der Kapitalbeschaffung, weil sie bei Anleihen weniger Zinsen bezahlen müssen als bei Bankkrediten. Je schlechter das Unternehmens-Rating ausfällt, umso höher muss der Emittent die Anleihe verzinsen, umso höher ist aber auch das Risiko für den Anleger.
Daneben existieren noch einige Sonderformen von Anleihen:
  • Auslandsanleihe
    Bei Auslandsanleihen unterscheidet man im wesentlichen zwischen ausländischen Staatsanleihen und ausländischen Unternehmensanleihen. Auslandsanleihen, die nicht in Euro notiert sind, besitzen ein zusätzliches Währungsrisiko. Das Risiko einer staatlichen Insolvenz wird in einer Länderbonitätsliste erfasst.
  • Wandelanleihe
    Bei Wandelanleihen hat der Inhaber neben der festen Verzinsung das Recht unter bestimmten Bedingungen die Anleihe in Aktien des betreffenden Unternehmens zu wandeln.
  • Aktienanleihe
    Bei Aktienanleihen kann der Emittent wahlweise den Nennwert zurückzahlen oder eine bestimmte Anzahl eigener Aktien liefern. Eine hohe Verzinsung soll das erhöhte Risiko (Kursschwankungen der Aktien) ausgleichen.
  • Optionsanleihe
    Optionsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die das Recht zum Erwerb von Aktien in einem von der Anleihe abtrennbaren Optionsschein verbriefen. Anleihe und Optionsschein können unabhängig voneinander gehandelt werden. Für die Optionsanleihe kann es daher bis zu drei verschiedene Börsennotierungen geben: einen Kurs für die Anleihe mit Optionsschein ("cum"), für die Anleihe ohne Optionsschein ("ex") und für den Optionsschein allein.
  • High-Yield-Anleihe (sog. High-Yield-Bonds)
    High-Yield-Bonds oder hochverzinsliche Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die von den führenden Ratingagenturen als BB+ oder schlechter eingestuft wurden. Emittiert werden diese Anleihen von Schwellenländern und Unternehmen, die aufgrund ihrer geringen Kreditwürdigkeit hohe Zinsen zahlen müssen. Das hohe Ausfallrisiko (Totalverlust bei Zahlungsunfähigkeit) soll durch die hohe Verzinsung kompensiert werden. Sog. High-Yield-Fonds versuchen durch bessere Streuung das Risiko zu senken.
  • Junk Bonds
    Als Junk Bonds ("Ramschanleihen") bezeichnet man Wertpapiere, deren Emittent sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet und der als Ausgleich für das Risiko dem Anleger eine sehr hohe Rendite verspricht.

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Verzinsung von Anleihen

Bei der Verzinsung von Anleihen unterscheidet man:
  • Fest verzinsliche Anleihen (sog. Rentenpapiere)
    Die Zinsen werden jährlich ausbezahlt.
  • Variabel verzinste Anleihen (sog. Floating Rate Notes)
    Zinssatz wird während der Laufzeit i.d.R. alle drei oder sechs Monate an einen Referenzzinssatz angepasst.
  • Anleihen ohne Zinsen (sog. Null-Koupon-Anleihen oder Zerobonds)
    I.d.R. werden Zerobonds mit einem hohen Abschlag (Disagio) emittiert und im Tilgungszeitpunkt zum Nennwert (pari) zurückgezahlt. D.h. anstelle periodischer Zinszahlungen stellt hier die Differenz zwischen dem Rückzahlungskurs und dem Emissionskurs den Zinsertrag bis zur Endfälligkeit dar.

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Bewertung von Anleihen

Anleihen können im Gegensatz zu normalen Krediten an der Börse gehandelt werden. D.h. Anleihen sind wie Aktien Kursschwankungen unterworfen. Die Schwankungen sind jedoch meist deutlich geringer als bei Aktien. Die wichtigsten Einflussgrößen sind dabei die Laufzeit, das allgemeine Zinsniveau und das Rating.

Das Zinsniveau beeinflusst den Kurs der festverzinsten Anleihe wie folgt: Sinkt das allg. Zinsniveau unter den Zins der Anleihe erhöht sich die Nachfrage der Anleihe Der Kurs der Anleihe steigt. Das gleiche gilt natürlich umgekehrt ;-)

Gegen Ende der Laufzeit nähert sich der Kurs der Anleihe immer mehr dem festgelegtem Rückzahlungskurs an. D.h. liegt der Börsenkurs der Anleihe über dem festgelegtem Rückzahlungskurs, so sinkt der Börsenkurs (und umgekehrt).

Beim Rating handelt es sich um eine standardisierte Beurteilung der Bonität (Kreditwürdigkeit) des Emittenten durch spezialisierte Agenturen (z.B. Standard&Poors und Moody). Das Rating reicht i.d.R. von AAA (nahezu kein Ausfallrisiko) bis C (extrem hohes Ausfallrisiko). Je schlechter das Rating, um so höher müssen Emittenten ihre Anleihen verzinsen, umso höher ist aber auch das Risiko für den Anleger.

Folgende Tabelle zeigt das Rating nach Standard&Poors und Moody:

Moody´sS&PErklärung
AaaAAABeste Qualität - maximale Sicherheit
Aa1AA+ Hohe Qualität
geringes Ausfallrisiko
AA2AA
Aa3AA-
A1A+Gute Qualität
mit Elementen, die sich bei veränderter
Wirtschaftsentwicklung negativ auswirken können
A2A
A3A-
Baa1BBB+Mittlere Qualität
aber mangelnder Schutz gegenüber sich
verändernder Wirtschaftsentwicklung
Baa2BBB
Baa3BBB-
Ba1BB+Spekulative Anlage
mäßige Deckung für Zins- und
Tilgungsleistung
Ba2BB
Ba3BB-
B1B+Sehr spekulative Anlage
geringe Sicherheit der
langfristigen Schuldentilgung
B2B
B3B-
CaaCCCNiedrigste Qualität
geringster Anlegerschutz oder in direkter Gefahr
des Zahlungsverzugs (S&P)
bzw. bereits in Zahlungsverzug (Moody´s)
CaCC
CC
 D Emittent in Zahlungsverzug

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